Eine Frau mit Hund und Novalgin

Novalgin für Hunde: Dosierung, Wirkung & Risiken (Metamizol)

Wenn der eigene Hund vor Schmerzen wimmert oder krampft, möchten wir ihm sofort helfen. Der Griff in die Hausapotheke liegt nahe. Novalgin (Wirkstoff Metamizol) ist eines der wenigen Schmerzmittel aus der Humanmedizin, das auch für Hunde zugelassen ist. Doch Vorsicht: Die Dosis macht das Gift, und nicht jeder Hund verträgt es.

Ich bin Sabine Reincke. Als Sanitäterin und Hundetrainerin habe ich Novalgin oft als „Retter in der Not“ erlebt – aber nur, wenn es exakt dosiert und vom Tierarzt freigegeben wurde. In diesem Artikel klären wir, wann es hilft und warum Sie Ibuprofen niemals als Alternative nutzen dürfen.

Das Wichtigste in Kürze (Fakten-Check)

  • Wirkstoff: Metamizol-Natrium (Handelsnamen: Novalgin, Novaminsulfon).
  • Wirkung: Stark schmerzlindernd, fiebersenkend und krampflösend (gut bei Koliken).
  • Verschreibungspflicht: Ja, in Deutschland rezeptpflichtig. Keine Selbstmedikation ohne Diagnose!
  • Gefahr: Niemals gleichzeitig mit Ibuprofen oder Paracetamol geben (Lebensgefahr!).
  • Geschmack: Extrem bitter – führt oft zu starkem Speicheln („Schäumen“).
⚠️ Wichtiger medizinischer Hinweis: Geben Sie Schmerzmittel niemals auf Verdacht. Schmerzen sind ein Symptom, keine Krankheit. Wenn Sie den Schmerz unterdrücken, ohne die Ursache (z.B. Darmverschluss oder Magendrehung) zu kennen, kann das tödlich enden.
Inhaltsverzeichnis
  1. Was ist Novalgin und wann wird es eingesetzt?
  2. Die richtige Dosierung beim Hund
  3. Tabletten vs. Tropfen: Was ist besser?
  4. Praxis-Tipp: Den bitteren Geschmack austricksen
  5. Nebenwirkungen & Kontraindikationen
  6. Häufige Fragen (FAQ)

Was ist Novalgin und wann wird es eingesetzt?

Novalgin enthält den Wirkstoff Metamizol. Im Gegensatz zu vielen anderen NSAR (Nicht-steroidale Antirheumatika) wirkt es nicht nur gegen Schmerzen und Fieber, sondern auch spasmolytisch (entspannend auf die glatte Muskulatur).

Typische Einsatzgebiete in der Tiermedizin sind:

  • Bauchschmerzen und Koliken (Magen-Darm-Krämpfe).
  • Schmerzen nach Operationen oder Verletzungen.
  • Hohes Fieber (siehe: Körpertemperatur beim Hund richtig messen).
  • Erkrankungen des Bewegungsapparates (z.B. Arthrose, HD), oft in Kombination mit anderen Mitteln wie Gabapentin.
Inforgrafik was bei Schmerzen beim Hund genommen werden sollte und was nicht
Besonders bei Bauchkrämpfen ist die krampflösende Wirkung wertvoll.

Die richtige Dosierung beim Hund

Die Dosierung ist abhängig vom genauen Präparat (Konzentration 500mg/ml ist Standard bei Tropfen, aber prüfen Sie das!). Die tierärztliche Standard-Empfehlung liegt meist in einem Bereich von:

Richtwert (Nur nach Absprache!):
Ca. 20 bis 50 mg Metamizol pro Kilogramm Körpergewicht, 2-3 Mal täglich.
Achtung: Dies ist ein weiter Bereich. Bei einem 10kg Hund kann das zwischen 200mg und 500mg variieren. Fragen Sie Ihren Tierarzt nach der exakten Dosis für IHREN Hund.

Tabletten vs. Tropfen: Was ist besser?

Novalgin gibt es als Tabletten (meist 500mg) und Tropfen. Für Hunde werden oft die Tropfen bevorzugt, da sie sich feiner dosieren lassen (besonders bei kleinen Rassen wie dem Chihuahua).

Das Problem bei Tropfen: Sie enthalten extrem bittere Stoffe. Viele Hunde beginnen sofort stark zu speicheln („schäumen“), wenn die Tropfen die Mundschleimhaut berühren. Das ist keine Vergiftung, sondern eine Reaktion auf den Geschmack (Ekel).

🐾 Aus meiner Praxis: Der Leberwurst-Trick

Ich habe schon oft erlebt, dass Hundehalter panisch anrufen: „Mein Hund hat Tollwut, er schäumt!“ – dabei hatten sie ihm nur Novalgin-Tropfen pur ins Maul gegeben. Der Geschmack ist wirklich scheußlich.

Mein Tipp: Geben Sie Novalgin-Tropfen NIEMALS direkt. Verpacken Sie sie in einer „Kugel“ aus Leberwurst oder einem Stück Käse, das der Hund im Ganzen schluckt. Bei Tabletten hilft es, diese in etwas selbstgemachtes Futter oder Nassfutter zu drücken.

Nebenwirkungen & Kontraindikationen

Obwohl Metamizol für Hunde gut verträglich ist, gibt es Risiken. Zu den bekannten Nebenwirkungen gehören:

  • Erbrechen und Übelkeit (oft durch den Geschmack).
  • Blutdruckabfall (Kreislaufprobleme), besonders bei zu schneller Injektion (beim Tierarzt).
  • Veränderungen im Blutbild (sehr selten bei längerer Gabe).

Wann darf Novalgin NICHT gegeben werden?

  • Bei bestehenden Magengeschwüren (siehe Gastritis beim Hund).
  • Bei schweren Nieren- oder Lebererkrankungen.
  • Bei bekannter Überempfindlichkeit gegen Pyrazolone.

Quellenhinweis: Pharmazeutische Daten und Wirkstoffinformationen basieren u.a. auf dem Eintrag zu Metamizol bei Vetpharm (Universität Zürich).


Häufige Fragen zu Novalgin beim Hund

Kann ich meinem Hund Ibuprofen oder Paracetamol geben?

NEIN, auf keinen Fall! Ibuprofen und Paracetamol sind für Hunde hochgiftig und können schon in kleinen Mengen zu tödlichem Nierenversagen oder inneren Blutungen führen. Novalgin (Metamizol) ist das einzige gängige Human-Schmerzmittel, das Hunde vertragen – aber auch das nur nach tierärztlicher Anweisung.

Wie schnell wirkt Novalgin beim Hund?

Bei oraler Gabe (Tropfen/Tabletten) tritt die Wirkung meist nach ca. 30 bis 60 Minuten ein. Die Wirkung hält etwa 4 bis 6 Stunden an. Wenn nach einer Stunde keine Besserung eintritt, geben Sie nicht mehr nach, sondern fahren Sie zum Tierarzt.

Mein Hund speichelt extrem nach den Tropfen – ist das eine Vergiftung?

Meistens nicht. Novalgin schmeckt extrem bitter. Das starke Speicheln („Schäumen vor dem Mund“) ist eine typische Ekel-Reaktion der Schleimhäute. Bieten Sie dem Hund sofort etwas Leckeres an oder spülen Sie das Maul vorsichtig mit Wasser.

Sabine Reincke
Sabine Reincke

Sabine Reincke: Eine umfassend erfahrene Expertin für alle Themen rund um den Hund. Mit über 15 Jahren praktischer Erfahrung, darunter 10 Jahre in der DRK Rettungshundestaffel und als Mantrailer, kombiniert Sabine tiefgreifendes Fachwissen in Hundeerziehung, -verhalten und Rassekunde mit unschätzbarer praktischer Erfahrung. Derzeit vertieft sie ihre Kenntnisse in einer Hundetrainer-Ausbildung und ergänzt dies durch diverse Fachseminare, auch im Bereich Hundegesundheit. Als ausgebildete Sanitäterin und durch ihre Präsenz in der Presse ist Sabine eine anerkannte Autorität, die vertrauenswürdige und fundierte Informationen zu allen Aspekten des Hundelebens bietet.

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