
Wieviel Bewegung braucht ein Welpe? Die 5-Minuten-Regel und Anzeichen für Überlastung
Hallo, ich bin Sabine Reincke. „Mein Welpe dreht abends völlig durch, ich glaube, der war heute nicht lange genug draußen.“ Diesen Satz höre ich fast täglich. Und fast immer ist meine Antwort: „Nein, er war wahrscheinlich zu lange draußen.“
Es klingt paradox: Ein Welpe, der zu viel erlebt hat, fällt nicht ins Koma, sondern wird zum hyperaktiven Schnapp-Krokodil. Er ist „drüber“, wie ein übermüdetes Kleinkind. Zudem riskieren Sie mit Gewaltmärschen die Gesundheit seiner Knochen. In diesem Artikel lernen Sie die wichtigste Formel für das erste Jahr kennen – und warum weniger oft mehr ist.
⚡ Das Wichtigste in Kürze
- Die 5-Minuten-Regel: Pro Lebensmonat darf der Welpe ca. 5 Minuten am Stück spazieren gehen (z.B. 3 Monate = 15 Minuten).
- Qualität vor Quantität: Schnüffeln und Welt erkunden ist anstrengender als stures Laufen.
- Warnsignale: Beißt der Welpe nach dem Spaziergang in die Leine oder rennt wild durch die Wohnung, war es zu viel (Stressabbau).
- Kontext: Wie Sie ihn kopfmäßig auslasten, ohne die Gelenke zu belasten, lesen Sie im Artikel Welpen-Beschäftigung und im Welpen-Guide.
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🐾 Aus meiner Praxis
Ich hatte einen Teilnehmer mit einem 4 Monate alten Viszla. Er ging jeden Tag 1 Stunde joggen („Der Hund muss laufen!“). Der Hund war zu Hause ein Nervenbündel, zerstörte Möbel und kam nie zur Ruhe. Wir haben das Programm radikal gekürzt: Nur noch 20 Minuten Schnüffeln auf der Wiese. Der Besitzer hatte Angst, der Hund würde platzen vor Energie. Das Gegenteil passierte: Der Cortisolspiegel sank, der Hund schlief endlich tief und fest. Ein Welpe braucht keinen Marathon, er braucht Schlaf.
1. Die 5-Minuten-Regel
Diese Faustformel gilt für gezielte Spaziergänge an der Leine (monotones Laufen).
Formel: 5 Minuten pro Lebensmonat pro Spaziergang.
| Alter | Dauer pro Gassi-Runde | Häufigkeit |
|---|---|---|
| 8 Wochen (2 Monate) | Max. 10 Minuten | Öfter kleine Runden zum Lösen |
| 12 Wochen (3 Monate) | Max. 15 Minuten | 2-3x täglich größere Runde |
| 16 Wochen (4 Monate) | Max. 20 Minuten | 2-3x täglich |
| 6 Monate | Max. 30 Minuten | 2x täglich + kurze Runden |
Dies ist eine Richtlinie. Wenn Sie mal 5 Minuten länger auf einer Wiese sitzen, fällt das Bein nicht ab. Aber stures Marschieren ist Gift.
2. Warum so wenig? (Die Anatomie)
Das Skelett eines Welpen besteht noch nicht komplett aus Knochen, sondern aus weichem Knorpel. Zwischen den Knochen liegen die Wachstumsfugen.
- Bei Überlastung können diese Fugen beschädigt werden.
- Die Folgen (Arthrose, Hüftgelenksdysplasie) zeigen sich oft erst Jahre später, sind dann aber unheilbar.
- Gleiches gilt für Treppen: Vermeiden Sie das Treppensteigen, solange es geht.

3. Anzeichen: War es zu viel?
Viele Halter denken: „Er rennt noch, also ist er fit.“ Falsch. Welpen kennen kein Ende. Wenn sie über den Punkt sind, schüttet der Körper Adrenalin aus.
Zeichen für Überlastung („Nach müde kommt blöd“):
- Der Welpe bekommt die „dollen 5 Minuten“ (rast wie irre durch die Wohnung).
- Er beißt in Hände, Hosenbeine oder die Leine.
- Er kommt nicht zur Ruhe, obwohl er augenscheinlich müde ist.
4. Was zählt als „Bewegung“?
Die 5-Minuten-Regel gilt für das monotone Laufen an der Leine (Gassi).
Was ist mit Spielen im Garten?
Freies Spiel im Garten zählt nicht strikt zur 5-Minuten-Regel, da der Welpe hier Pausen macht, wann er will. Er schnüffelt, legt sich hin, rennt kurz. Das ist natürliche Bewegung.
Aber: Bremsen Sie ihn auch hier, wenn er wild mit anderen Hunden tobt. Nach 5-10 Minuten Toben sollte eine Zwangspause folgen.

Häufige Fragen zur Welpen-Bewegung
Darf ich den Welpen zum Joggen mitnehmen?
Nein! Joggen oder Radfahren ist eine gleichförmige Dauerbelastung. Das ist pures Gift für die weichen Gelenke. Warten Sie damit mindestens bis zum 12. (kleine Hunde) bzw. 15. Monat (große Hunde) und nach einem Röntgen-Check beim Tierarzt.
Was tun, wenn der Spaziergang länger dauert?
Wenn Sie eine größere Runde machen wollen, tragen Sie den Welpen zwischendurch (Rucksack oder Welpenwagen). Er kann so dabei sein und Eindrücke sammeln, ohne seine Knochen zu belasten.
Gilt die Regel auch für kleine Rassen?
Ja. Auch ein Chihuahua hat Wachstumsfugen. Zwar härten diese etwas schneller aus als bei einer Dogge, aber im ersten halben Jahr gilt die Schonung für alle.
Quellenhinweis: Richtwerte zur Belastung des Bewegungsapparates im Wachstum basieren auf Empfehlungen der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt).



