
Wieviel Bewegung braucht ein Welpe?
Ein Welpe zieht ein und mit ihm die Frage: Wie viel Bewegung ist gesund und was könnte schaden? Viele frischgebackene Hundebesitzer sind unsicher. Sie möchten ihren kleinen Entdecker artgerecht auslasten, ohne ihn jedoch körperlich zu überfordern. Die richtige Balance ist entscheidend für ein gesundes Wachstum.
Keine Sorge, mit diesem Gefühl sind Sie nicht allein. Als langjährige Expertin in der Hundeausbildung, unter anderem in der DRK Rettungshundestaffel, habe ich unzählige junge Hunde auf ihrem Weg zum erwachsenen Begleiter begleitet. Die wichtigste Grundlage ist eine einfache, aber effektive Faustregel, die wir uns gleich genauer ansehen werden. Dieser Artikel gibt Ihnen klare, praxiserprobte Richtlinien an die Hand, um Ihren Welpen sicher und gesund durch die aufregende Wachstumsphase zu führen.
Inhaltsverzeichnis:
Warum die richtige Dosierung so entscheidend ist
Ein Welpenkörper ist eine faszinierende Baustelle. Knochen, Gelenke, Sehnen und Bänder befinden sich mitten im Wachstum. Die sogenannten Wachstumsfugen (Epiphysenfugen), die für das Längenwachstum der Knochen verantwortlich sind, sind noch weich und schließen sich erst mit der Geschlechtsreife. Eine zu frühe oder zu intensive Belastung durch lange Spaziergänge, wilde Sprünge oder abruptes Stoppen kann zu irreparablen Schäden führen. Dazu gehören Gelenkerkrankungen wie Hüftgelenks- (HD) oder Ellenbogendysplasie (ED), die dem Hund ein Leben lang Schmerzen bereiten können.
Das Ziel ist also: Den natürlichen Bewegungsdrang zu fördern und die Muskulatur zu stärken, ohne den unreifen Bewegungsapparat zu überlasten. Mehr Informationen zur Gelenkgesundheit bei jungen Hunden finden Sie beispielsweise bei der Tierklinik-Gruppe AniCura, einer anerkannten Autorität auf diesem Gebiet.
Die 5-Minuten-Regel: Eine sichere Faustformel
Eine bewährte Faustregel, die Ihnen als Orientierung dient, ist die sogenannte 5-Minuten-Regel. Sie ist ein hervorragender Ausgangspunkt, um eine Überforderung zu vermeiden.
- Pro Lebensmonat darf Ihr Welpe etwa 5 Minuten am Stück spazieren gehen.
- Diese Einheit können Sie zwei- bis viermal über den Tag verteilt durchführen.
Das bedeutet konkret für das Alter Ihres Welpen:
Alter des Welpen | Maximale Spaziergang-Dauer am Stück |
8 Wochen (2 Monate) | ca. 10 Minuten |
12 Wochen (3 Monate) | ca. 15 Minuten |
16 Wochen (4 Monate) | ca. 20 Minuten |
6 Monate | ca. 30 Minuten |
Wichtig: Diese Regel bezieht sich auf strukturierte Spaziergänge an der Leine. Freies Spiel im Garten, bei dem der Welpe sein Tempo selbst bestimmen und jederzeit Pausen einlegen kann, zählt hier nicht im selben Maß dazu. Jeder Welpe ist individuell, daher sollten Sie immer auf die Signale Ihres Hundes achten.
Was zählt alles zur Bewegung? Mehr als nur Gassi gehen!
Bewegung ist nicht gleich Bewegung. Für eine gesunde Entwicklung braucht Ihr Welpe eine Mischung aus verschiedenen Aktivitäten, die ihn sowohl körperlich als auch geistig fordern, ohne ihn zu überlasten.
- Strukturierte Spaziergänge: Kurze Runden an der Leine, um die Welt zu entdecken und die Stubenreinheit zu üben. Hier gilt die 5-Minuten-Regel.
- Freies Spiel: Toben im gesicherten Garten oder mit verträglichen Artgenossen. Hier lernt der Welpe seine Grenzen kennen und kann sich selbst regulieren. Achten Sie darauf, dass das Spiel nicht zu wild wird.
- Mentale Auslastung: Suchspiele mit Leckerlis, das Erlernen einfacher Kommandos oder das Erkunden verschiedener Untergründe (Gras, Laub, Sand) sind anstrengender als man denkt und lasten einen Welpen wunderbar aus.
- Sozialisierung: Der Besuch einer gut geführten Welpenspielstunde ist ebenfalls eine Form der Auslastung, die für die soziale Entwicklung unerlässlich ist.
Tabus im Welpenalter: Diese Aktivitäten sollten warten
Manche Aktivitäten sind für den wachsenden Hundekörper Gift. Bitte vermeiden Sie Folgendes, bis Ihr Hund körperlich weitestgehend ausgewachsen ist:
- Am Fahrrad laufen oder Joggen gehen: Die gleichmäßige, erzwungene Trab-Bewegung ist eine extreme Belastung für die Gelenke.
- Exzessives Treppensteigen: Einzelne Stufen kontrolliert zu lernen ist wichtig, aber das tägliche Meistern mehrerer Stockwerke sollte vermieden werden. Tragen Sie Ihren Welpen, solange es geht.
- Hohe Sprünge: Sprünge aus dem Auto, vom Sofa oder intensives Ball- und Frisbeespiel mit Sprungeinlagen sind tabu.
- Agility-Training: Dieser Hundesport ist fantastisch, aber erst für ausgewachsene Hunde mit gesunden Gelenken geeignet.
Anzeichen von Überanstrengung: Wenn es zu viel wird
Ihr Welpe wird Ihnen selten von sich aus sagen: „Stopp, es reicht!“. Oft drehen übermüdete Welpen erst richtig auf. Achten Sie daher genau auf die Körpersprache Ihres Hundes. Folgende Symptome zeigen eine Überanstrengung an:
- Starkes und anhaltendes Hecheln
- Der Welpe wird langsam, trödelt oder schleppt die Hinterbeine nach
- Er legt sich plötzlich hin und will nicht mehr weitergehen
- Plötzliche „wilde 5 Minuten“, Beißen in die Leine oder Anspringen (oft ein Zeichen von Übermüdung)
- Stolpern oder unkoordinierte Bewegungen
- Gereiztheit oder mangelnde Konzentration
Wenn Sie eines dieser Anzeichen bemerken, beenden Sie die Aktivität sofort und gönnen Sie Ihrem Welpen eine ausgiebige Ruhepause. Denken Sie daran: Welpen benötigen bis zu 20 Stunden Schlaf und Ruhe am Tag, um die ganzen neuen Eindrücke zu verarbeiten.
Fazit: Weniger ist oft mehr
Die richtige Dosis an Bewegung legt den Grundstein für ein langes und gesundes Hundeleben. Nutzen Sie die 5-Minuten-Regel als sicheren Leitfaden und ergänzen Sie die kurzen Spaziergänge durch freies Spiel und kleine Denkaufgaben. Beobachten Sie Ihren Welpen genau und lernen Sie, seine individuellen Grenzen zu erkennen und zu respektieren. Indem Sie die Aktivität langsam und an das Wachstum angepasst steigern, schenken Sie Ihrem vierbeinigen Freund den bestmöglichen Start ins Leben.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie oft am Tag sollte ich mit meinem Welpen Gassi gehen?
Ein junger Welpe (8-12 Wochen) muss etwa alle 2 Stunden raus, auch nachts. Dies dient primär der Stubenreinheit, nicht der Bewegung. Die eigentlichen Spaziergänge zur Erkundung sollten sich an der 5-Minuten-Regel orientieren und 2-4 Mal täglich stattfinden, zusätzlich zu den kurzen „Löse-Runden“.
Woran merke ich, dass mein Welpe unterfordert ist?
Anzeichen für Unterforderung können zerstörerisches Verhalten (z.B. Kauen an Möbeln), ständiges Bellen, übermäßiges Anspringen oder allgemeine Unruhe sein. Bevor Sie die körperliche Bewegung erhöhen, versuchen Sie es mit mehr mentaler Auslastung wie Suchspielen, einfachen Tricks oder einem Kauartikel zur Beruhigung.
Ab wann darf mein Welpe mit anderen Hunden spielen?
Sobald der Welpe einen grundlegenden Impfschutz hat (ca. ab der 12. Woche), kann er kontrollierten Kontakt zu gut sozialisierten, gesunden und welpen-erfahrenen erwachsenen Hunden haben. Welpenspielgruppen sind ideal. Achten Sie darauf, dass Ihr Welpe nicht von anderen Hunden „gemobbt“ oder überrannt wird. Die Spielzeit sollte kurz sein (5-10 Minuten) und immer positiv enden.
Was ist wichtiger für einen Welpen: körperliche oder geistige Auslastung?
Beides ist wichtig, aber im Welpenalter hat die geistige Auslastung und das soziale Lernen eine höhere Priorität als intensive körperliche Bewegung. Kurze Trainingseinheiten von wenigen Minuten, das Erkunden neuer Umgebungen und positive Sozialkontakte sind für die Entwicklung des Gehirns und eines stabilen Wesens wichtiger als lange Wanderungen.