
Welpe frisst Kot (Koprophagie): Warum er es tut und was wirklich hilft
Hallo, ich bin Sabine Reincke. Ich weiß, dieses Thema ist unangenehm. Sie geben Ihrem Welpen das beste Futter, kuscheln mit ihm – und dann erwischen Sie ihn dabei, wie er sich über seine eigenen Hinterlassenschaften oder die eines anderen Hundes hermacht. Der erste Impuls ist Ekel. Der zweite oft Wut.
Aber bevor Sie schimpfen: Ihr Welpe macht das nicht, um Sie zu ärgern. In der Hundewelt ist Kot nicht nur Abfall, sondern Information und manchmal (leider) Nahrung. Dieses Verhalten, Fachbegriff „Koprophagie“, ist bei Welpen weit verbreitet. Die Ursachen reichen von harmloser Neugier bis zu ernsthaften Nährstoffmängeln. Lassen Sie uns herausfinden, was Ihrem Kleinen fehlt.
⚡ Das Wichtigste in Kürze
- Der Instinkt: Hündinnen fressen den Kot ihrer Welpen, um das Nest sauber zu halten. Welpen schauen sich das ab (Nachahmung).
- Nährstoffmangel: Fehlen Enzyme oder Mineralien im Futter, versucht der Körper, diese aus dem Kot zu „recylceln“.
- Stress & Angst: Wurde der Welpe für Pipi-Unfälle bestraft, frisst er den Kot oft, um die „Beweise“ zu vernichten.
- Kontext: Dieser Gesundheits-Ratgeber ist Teil unseres umfassenden Welpen-Guides für den perfekten Start.
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🐾 Aus meiner Praxis
Ich betreute eine Familie, deren Welpe „Max“ panisch seinen eigenen Kot fraß, sobald er sich im Wohnzimmer gelöst hatte. Es stellte sich heraus: Der Vorbesitzer hatte Max immer ausgeschimpft und mit der Nase in den Kot gedrückt, wenn ein Unfall passierte. Max hatte gelernt: „Haufen = Gefahr“. Also beseitigte er den Haufen schnell. Wir haben das Problem gelöst, indem wir Unfälle kommentarlos wegputzten und ihn draußen für jedes Geschäft gefeiert haben. Bitte: Bestrafen Sie niemals Fehltritte bei der Stubenreinheit!
1. Die biologische Ursache (Ganz normal?)
In den ersten Lebenswochen leckt die Mutterhündin den Welpenbauch, um die Verdauung anzuregen, und frisst die Ausscheidungen auf. Das hält die Wurfkiste sauber und schützt vor Feinden (kein Geruch). Welpen sind Beobachtungsmeister. Viele probieren es einfach aus („Mama macht das auch“). Dieses Verhalten legt sich oft von selbst, wenn der Welpe älter wird.
2. Wenn dem Körper etwas fehlt (Mangel)
Wenn das Verhalten anhält, liegt oft ein Problem im Napf vor.
- Minderwertiges Futter: Enthält das Futter zu viele Füllstoffe oder Lockstoffe, riecht der Kot hinten fast noch so „lecker“ wie das Futter vorne. Der Welpe denkt, es sei Nahrung.
- Enzymmangel: Wenn die Darmflora noch nicht stabil ist oder Enzyme fehlen (z.B. bei Bauchspeicheldrüsen-Problemen), kann der Körper Nährstoffe nicht aufspalten. Der Kot enthält dann noch viel unverdauten Energiegehalt.
👉 Check: Prüfen Sie, ob Sie die Futtermenge und -qualität anpassen müssen. Tipps dazu gibt unser Ratgeber Welpen richtig füttern.
3. Psychische Gründe
- Aufmerksamkeit: Sie schreien „Pfui!“ und rennen hin? Bingo! Der Welpe hat Ihre volle Aufmerksamkeit. Für manche Hunde ist negative Aufmerksamkeit besser als gar keine.
- Stress/Angst: Wie in meiner Geschichte oben beschrieben (Angst vor Strafe).
- Langeweile: Ein unterforderter Welpe sucht sich Hobbys. Kot einsammeln kann eines sein.

4. Der 3-Schritte-Plan gegen Kotfressen
Schritt 1: Der Tierarzt-Check
Bevor wir trainieren, müssen wir Krankheit ausschließen. Lassen Sie den Kot auf Parasiten (Würmer, Giardien) untersuchen. Ein starker Wurmbefall raubt dem Körper Nährstoffe und erzeugt Heißhunger.
Schritt 2: Management & Hygiene
Verhindern Sie den Erfolg.
Drinnen: Passiert ein Malheur, bringen Sie den Welpen ruhig in einen anderen Raum und reinigen Sie die Stelle sofort (mit Enzymreiniger).
Draußen: Sammeln Sie den Haufen sofort ein, sobald er fällt. Führen Sie den Welpen an der Leine weg, loben Sie ihn fürs Weggehen.
Schritt 3: Das Abbruchsignal
Der Welpe muss lernen, dass Kot tabu ist. Üben Sie das Kommando „Pfui“ oder „Lass das“ – aber tauschen Sie immer! Wenn er vom Kot ablässt, bekommt er bei Ihnen das allerbeste Super-Leckerli (z.B. Käse oder Leberwurst).
5. Helfen Hausmittel wie Harzer Käse?
Im Internet liest man oft von Harzer Käse, Ananas, Heilerde oder grünem Pansen.
Die Theorie: Diese Lebensmittel enthalten Enzyme oder starke Gerüche, die den Nährstoffbedarf decken oder den Kotgeschmack verändern.
Meine Erfahrung: Pansen (frisch, nicht getrocknet) und Blättermagen können tatsächlich helfen, die Darmflora aufzubauen. Harzer Käse hilft oft nur kurzfristig. Schaden tun diese Mittel in Maßen nicht – aber sie ersetzen keine Diagnose.

Häufige Fragen zu Koprophagie
Ist das Fressen von Kot gefährlich?
Eigener Kot ist meist harmlos (außer bei Re-Infektion mit Würmern). Fremder Kot (Hund, Katze, Pferd, Mensch) ist riskant! Er kann Parasiten, Viren (Parvo) oder Rückstände von Entwurmungsmitteln (gefährlich für MDR1-Hunde) enthalten.
Warum liebt mein Hund Katzenkot?
Katzenfutter ist extrem protein- und geschmacksintensiv. Für Hunde sind die „Katzen-Pralinen“ aus dem Klo leider eine Delikatesse. Stellen Sie das Katzenklo welpensicher auf.
Soll ich „Tabasco“ auf den Kot machen?
Nein! Solche „Vergrämungs-Methoden“ sind tierschutzwidrig (Schleimhautreizung) und bekämpfen nicht die Ursache. Suchen Sie lieber nach dem Mangel oder dem Stressauslöser.
Quellenhinweis: Medizinische Hintergründe zu Mangelerscheinungen basieren auf Fachliteratur der Veterinärmedizinischen Universität.



