
Welpe beschäftigen: 10 Ideen für Kopf & Nase (Ohne Überdrehen)
Hallo, ich bin Sabine Reincke. „Wie bekomme ich den kleinen Racker müde?“ Das ist die Standardfrage in meinen Welpenstunden. Oft höre ich dann: „Wir waren schon eine Stunde im Wald und haben Ball gespielt, aber er dreht zu Hause immer noch völlig durch.“
Genau da liegt der Fehler. Ein Welpe, der körperlich überfordert wird, schüttet Stresshormone aus. Er wirkt wach, ist aber eigentlich völlig „drüber“ (wie ein übermüdetes Kleinkind). Die gesündeste Beschäftigung für Welpen passiert im Kopf und mit der Nase. Das macht zufrieden müde, statt aufzuputschen. Hier sind meine 10 liebsten Spiele für drinnen und draußen.
⚡ Das Wichtigste in Kürze
- Nasenarbeit schlägt Action: 5 Minuten Schnüffeln strengen einen Hund so sehr an wie 30 Minuten Laufen.
- Kauen beruhigt: Kauen und Lecken baut Stress ab und senkt den Puls. Perfekt für den „Feierabend“.
- Vorsicht Ball-Junkies: Ständiges Hinterherhetzen fördert Adrenalin und macht hibbelig. Vermeiden Sie monotone Wurfspiele.
- Kontext: Wie viel Ruhepausen nötig sind, lesen Sie im Artikel Schlafbedarf und im großen Welpen-Guide.
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🐾 Aus meiner Praxis
Ich empfehle meinen Teilnehmern gerne das „Karton-Massaker“. Nehmen Sie einen leeren Amazon-Karton (ohne Klebeband/Klammern). Werfen Sie eine Handvoll Trockenfutter hinein. Füllen Sie ihn mit Zeitungspapier-Knüddeln, leeren Klopapierrollen oder alten Handtüchern. Machen Sie den Deckel locker zu. Dann geben Sie ihn dem Welpen. Er darf den Karton zerreißen, auspacken und „erlegen“, um an das Futter zu kommen. Das befriedigt das Zerstörungsbedürfnis auf legale Weise – und Ihre Schuhe bleiben heil!
1. Die Goldene Regel: Kopf vs. Körper
Ein Welpe wächst noch. Seine Gelenke sind weich. Deshalb sind lange Wanderungen oder Sprünge (Frisbee) tabu. Sein Gehirn hingegen ist ein Schwamm.
Merksatz:
„Müde Beine machen den Hund nur kurz ruhig. Ein müder Kopf macht ihn zufrieden.“
2. Nasenarbeit: Schnüffelteppich & Co.
Riechen ist für Hunde wie Lesen eines spannenden Buches. Es erfordert höchste Konzentration.
- Der Schnüffelteppich: Verstecken Sie Trockenfutter zwischen Stoffstreifen. (Tipp: Gibt es hier oder einfach selbst basteln aus einer alten Decke).
- Die Leckerli-Suche: Setzen Sie den Welpen ab („Bleib“ oder festhalten). Verstecken Sie ein Leckerli im Raum (erst einfach, dann schwerer). Geben Sie das Signal „Such!“.
- Der Baumrinden-Trick: Drücken Sie draußen beim Gassi kleine Futterstücke in die tiefe Rinde eines alten Baumes. Der Welpe muss sie „erpicken“.
3. Kauen & Schreddern (Stressabbau)
Kauen setzt Endorphine frei. Es ist die beste Methode, um einen aufgedrehten Welpen „runterzufahren“.
- Der gefüllte Kong: Ein Kautschuk-Spielzeug, das man mit Joghurt, Leberwurst oder Nassfutter füllt und (für Profis) einfriert. Damit ist der Welpe 20 Minuten ruhig beschäftigt.
- Kauwurzeln & Geweihe: Natürliche Materialien, die nicht splittern.
- Das Handtuch-Bonbon: Legen Sie Leckerlis auf ein altes Handtuch, rollen Sie es zusammen und verknoten Sie es leicht. Der Welpe muss es aufwickeln.

4. Denkspiele & Tricks
Schon 5 Minuten Clicker-Training oder Tricksen reichen völlig aus.
- Namen lernen: Geben Sie jedem Spielzeug einen Namen („Such den Bär!“, „Hol das Tau!“).
- Becherspiel: Drei Becher (Joghurtbecher), ein Leckerli. Unter welchem Becher liegt es? Der Welpe muss ihn umschubsen.
- Impulskontrolle: Legen Sie ein Leckerli vor seine Pfoten. Er darf es erst auf Kommando „Nimm’s“ fressen. Das ist Schwerstarbeit für das Gehirn!
5. Was Sie NICHT tun sollten
- Ball-Junkies züchten: Werfen Sie den Ball nicht 50 Mal stupide weg. Das trainiert nur die Kondition (er wird immer ausdauernder) und das Hetzen. Verstecken Sie den Ball lieber.
- Laserpointer: Ein absolutes No-Go! Der Hund kann die Beute nie fangen. Das führt zu schwersten Frustrationen und Verhaltensstörungen (Schattenjagen).
Häufige Fragen zur Beschäftigung
Wie lange darf ich mit dem Welpen spielen?
Denkspiele sind anstrengend! Machen Sie nach 3-5 Minuten eine Pause. Wenn der Welpe unkonzentriert wird, fiept oder beißt, war es schon zu lang.
Mein Welpe zerstört alles. Ist ihm langweilig?
Nicht unbedingt. Kauen ist ein Grundbedürfnis (Zahnwechsel!). Wenn er Möbel anknabbert, fehlt ihm oft eine legale Kauen-Alternative oder er ist überreizt und kann nicht schlafen.
Ab wann darf ich Agility machen?
Richtiges Agility (Springen, steile Wände) erst, wenn das Wachstum abgeschlossen ist (ca. 12 Monate). „Boden-Agility“ (durch einen Tunnel laufen, über eine flache Leiter steigen) dürfen Sie schon früh üben.
Quellenhinweis: Konzepte zur geistigen Auslastung basieren auf modernen Trainingsmethoden der gewaltfreien Hundeerziehung.



