Mantrailing mit Sabine und ihrem Hund Dexter aus einem verlassenen Grundstück.

Mantrailing Trainingsplan: Der 8-Wochen-Guide für Einsteiger

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⚠️ Trainings-Warnung: Ein Trainingsplan ist kein Gesetz, sondern eine Richtlinie. Wenn Ihr Hund einen schlechten Tag hat (Stress, Hitze, Unwohlsein), gehen Sie im Plan einen Schritt zurück („Regression“). Das Erzwingen von Fortschritten führt zu Meideverhalten.

Viele Mantrailer trainieren „einfach drauf los“. Heute mal Wald, morgen mal Stadt, mal schauen, was passiert. Das Ergebnis? Der Hund lernt langsam und unsauber. Echter Fortschritt entsteht durch Systematik. Als Ausbilderin arbeite ich nach der „1-Kriterium-Regel“: Wir verändern pro Training immer nur EINE Schwierigkeit. Hier ist mein bewährter 8-Wochen-Plan, der Struktur in dein Training bringt.

📌 Die Säulen des Erfolgs

  • Frequenz: 1-2 Einheiten pro Woche sind ideal. Mehr führt oft zu Übertraining.
  • Die 1-Kriterium-Regel: Erhöhe entweder die Länge, oder das Alter, oder die Umgebung. Nie alles gleichzeitig!
  • Dokumentation: Führe ein Logbuch (oder nutze eine App), um Fehler-Muster zu erkennen.
  • Ziel: Nach 8 Wochen soll der Hund eine frische Spur (30 Min) über 500m mit einer Kreuzung sicher arbeiten.

📚 Der Kontext: Dieser Artikel ist Teil der Serie „Mantrailing Organisation“. Zurück zur Übersicht

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Die „Goldene Regel“ der Progression

Bevor wir starten, musst du das wichtigste Prinzip verstehen: Isoliertes Lernen.

Wenn du gleichzeitig die Strecke verlängerst (Kriterium 1), in die Stadt gehst (Kriterium 2) und die Spur alt machst (Kriterium 3), wird der Hund scheitern. Wenn wir an der Länge arbeiten, machen wir die Umgebung einfach (bekannter Waldweg). Wenn wir Kreuzungen üben, machen wir die Strecke kurz.

Grafik eines Mischpults mit 3 Schiebereglern: 1. Länge, 2. Alter, 3. Ablenkung. Ein Regler ist oben, zwei sind unten (Prinzip der Isolation).
Steuere dein Training wie ein Mischpult: Drehe nie alle Regler gleichzeitig auf „Maximum“!

Woche 1-2: Motivation & Ritual (Fire Trails)

Ziel: Der Hund verknüpft Geruchsartikel + Geschirr mit „Suchen & Party“.

  • Übung: Intensity Starts („Fire Trails“). Die Versteckperson reizt den Hund an und läuft weg (sichtbar).
  • Umgebung: Reizarme Wiese oder Waldrand.
  • Länge: 20 bis 50 Meter.
  • Ablauf: 2-3 kurze Trails pro Einheit. Große Belohnung am Ende!

Vermeide: Leinenrucken, Korrekturen, „Sitz“ am Start. Es geht nur um Triebaufbau.

Woche 3-5: Distanz & erste Winkel

Ziel: Der Hund lernt, der Nase zu folgen, auch wenn er die Person nicht mehr sieht („Out of Sight“).

  • Übung: „Blind Starts“. Die Person geht weg, ohne dass der Hund es sieht. Wartezeit ca. 5-10 Minuten.
  • Schwierigkeit: Wir bauen erste Kurven (90 Grad) ein.
  • Länge: Steigerung auf 100 – 200 Meter.
  • Fokus: Sauberes Leinenhandling. Du folgst dem Hund, du lenkst nicht.

Woche 6-8: Kreuzungen & Umgebung

Ziel: Der Hund trifft Entscheidungen an Kreuzungen (Ausschlussverfahren).

  • Übung: T-Kreuzungen im ruhigen Wohngebiet oder auf Waldwegen.
  • Taktik: Wir nutzen High Scent (Geruchsverstärker an der Ecke), um dem Hund zu helfen.
  • Länge: Variabel. Mal kurz und schwer (viele Kreuzungen), mal lang und einfach (Geradeaus).
  • Ablauf: Nur noch 1 Trail pro Training („One-Trail-Philosophy“), damit der Hund seine ganze Kraft in diese eine Aufgabe legt.
In einem Buch wird jeder Trail dokumentiert.
Ein Plan gibt Sicherheit: Dokumentiere deine Fortschritte, um Stagnation zu vermeiden.

Warum du ein Logbuch brauchst

Du wirst vergessen, wie der Wind vor 3 Wochen war. Ein Trainings-Logbuch (oder eine App) ist dein externes Gehirn.

Notiere nach jedem Trail:

  1. Wetter (Temperatur, Windrichtung).
  2. Untergrund (Wald, Asphalt, Wiese).
  3. Schwierigkeit (Alter der Spur, Länge).
  4. Ergebnis: Hat der Hund gefunden? Musstest du helfen?
  5. Gefühl: War der Hund motiviert oder gestresst?

Nur so erkennst du Muster („Mein Hund arbeitet bei Regen super, aber bei Ostwind schlecht“).

🐾 Aus meiner Praxis: Der Schritt zurück

In Woche 6 meines Plans kommen oft Einbrüche. Der Hund, der vorher super lief, bleibt plötzlich stehen oder kaspert rum. Das ist die „Pubertät“ der Ausbildung. Die Anforderungen steigen, der Hund muss anfangen, Probleme selbst zu lösen.

Mein Rat: Wenn das passiert, geh zurück zu Woche 2. Lauf einen simplen „Fire Trail“ mit viel Spaß. Zeig dem Hund: „Du bist der Größte!“ Das füllt den Motivations-Tank wieder auf. Ein Trainingsplan ist nicht starr – er muss atmen.


Häufige Fragen zum Trainingsplan

Was mache ich, wenn ich eine Woche krank bin?

Pausiere einfach. Mantrailing verlernt der Hund nicht so schnell. Im Gegenteil: Oft hilft eine Pause dem Gehirn, das Gelernte zu setzen. Mach da weiter, wo du aufgehört hast, aber starte mit einem leichten Trail zum „Reinkommen“.

Darf ich verschiedene Versteckpersonen nutzen?

Unbedingt! Der Hund soll lernen, jeden Individualgeruch zu suchen, nicht nur den von Herrchen oder Frauchen. Variiere die Runner so oft wie möglich (Männer, Frauen, Kinder), damit der Hund flexibel bleibt.

Wann fange ich mit „Negativ“ an?

Die Negativanzeige (Anzeigen, dass kein Geruch da ist) gehört in den Fortgeschrittenen-Bereich (nach Woche 8+). Erst muss der Hund sicher im „Finden“ sein, bevor wir ihm das „Nicht-Finden“ beibringen.

Quellenhinweis & Standards: Die Strukturierung in Lernphasen und die „One-Component“-Regel basieren auf didaktischen Konzepten der modernen Hundeausbildung (z.B. Cumming/Schettler) und Standards der IRO.

Sabine Reincke
Sabine Reincke

Sabine ist das Herz und der Kopf hinter Hundeuniversum. Als Einsatzsanitäterin und langjährige Ausbilderin in einer Rettungshundestaffel (DRK) verbindet sie medizinisches Fachwissen mit echter Praxiserfahrung. Ihr Ziel: Hundebesitzern faktenbasiertes Wissen und Sicherheit zu geben – ohne Mythen, dafür mit viel Herz und Verstand.

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