
Negativspur aufbauen: So trainierst du die sichere Negativanzeige im Mantrailing
„Hilfe, mein Hund bleibt stehen!“ – Nein, freu dich! Das ist vielleicht der wichtigste Moment in eurer Mantrailing-Karriere. Dein Hund sagt dir gerade: „Chef, hier ist kein Geruch.“ Wir nennen das Negative Scent Indication (NSI). Ein Hund, der nur stur vorwärts rennt, ist ein Risiko. Ein Hund, der dir aktiv sagt „Da geht es nicht lang“, ist ein Profi. Hier zeige ich dir, wie du diese Kommunikation aufbaust.
📌 Das Wichtigste zur Negativanzeige
- ✅ Definition: Das aktive Anzeigen des Hundes, dass an einer bestimmten Stelle (Kreuzung, Abgang, Raum) kein Zielgeruch vorhanden ist.
- ✅ Das Signal: Typische Zeichen sind: Kopfschlag (Head Check), abruptes Abstoppen, Umdrehen zum Hundeführer oder „Einfrieren“.
- ✅ Der Nutzen: Nur mit einem sauberen Negativ kannst du Wege sicher ausschließen (Exclusion) und Kreuzungen lösen.
- ✅ Training: Wir bestätigen den Hund dafür, dass er nicht weiterläuft.
📚 Der Kontext: Dieser Artikel ist Teil der Serie „Mantrailing für Fortgeschrittene“. Zurück zur Übersicht
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Was ist ein „Negativ“ (NSI)?
In der Fährtenarbeit bedeutet das Verlassen der Spur oft einen Fehler. Im Mantrailing ist das anders. Wir arbeiten oft in urbanen Gebieten, wo der Wind den Geruch verwirbelt. Der Hund muss Wege prüfen („Casting“), um festzustellen, wo die Spur nicht ist.
Die Negative Scent Indication (NSI) ist keine Unsicherheit. Es ist eine klare Information: „Ich habe geprüft, hier ist keine Spur von der Person aus dem Geruchsartikel.“
Körpersprache lesen: Wie sieht ein Negativ aus?
Jeder Hund zeigt das Negativ etwas anders, aber es gibt universelle Signale. Du musst lernen, deinen Hund zu lesen, bevor du die Leine straffst.

- Der Head-Check: Der Hund wirft den Kopf kurz in eine Straße, schnauft hörbar aus und dreht den Kopf sofort weg.
- Das „Zumachen“: Die Körperhaltung entspannt sich schlagartig, der Arbeitsmodus („Trieb“) erlischt.
- Der Blick zurück: Der Hund bleibt stehen und schaut dich an.
Schritt-für-Schritt-Aufbau (Die Sackgasse)
Wir bringen dem Hund bei: „Wenn du merkst, dass der Weg falsch ist, dreh um – dafür wirst du belohnt.“
Übung: Das offene Ende
- Lege eine kurze Spur (50m) geradeaus in eine Sackgasse oder einen Waldweg, der abrupt endet (keine Versteckperson dort!).
- Die Versteckperson biegt vorher rechtwinklig ab (den Abzweig kennt der Hund noch nicht).
- Du läufst mit dem Hund in die Sackgasse (falsche Richtung).
- Wichtig: Beobachte den Moment, wo der Hund merkt „Hier riecht es nicht mehr“.
- Sobald er sich umdreht oder stutzt: Lob ihn verbal! („Super!“).
- Geh mit ihm zurück zur Kreuzung und lass ihn die richtige Spur (den Abzweig) finden. Dort wartet die Party.
Der Lerneffekt: Das Umdrehen (Abbruch der falschen Suche) führt zum Erfolg, nicht das sture Weiterlaufen.
Die Königsdisziplin: Kreuzungsarbeit
An einer Kreuzung mit vier Wegen muss der Hund oft drei Wege als „Negativ“ ausschließen, um den einen „Positiv“-Weg zu finden. Das nennt man Exclusion (Ausschlussverfahren).
Wenn du Kreuzungsarbeit trainierst, gib dem Hund Leine! Er muss 2-3 Meter in die falsche Straße hineinlaufen dürfen, um zu riechen, dass dort nichts ist. Wenn du die Leine zu kurz hältst, kann er nicht prüfen.

Häufige Fehler beim Negativ-Training
Vermeide diese Fallen, die ich im Fehler-Guide oft beschreibe:
- Korrektur statt Kommunikation: Der Hund läuft in die falsche Straße. Du ruckst an der Leine und sagst „Nein“.
Folge: Der Hund traut sich nicht mehr zu prüfen. Er wird passiv und wartet auf deine Hilfe. - Zu frühes Helfen: Du bleibst an der Kreuzung stehen, weil du weißt, dass es rechts lang geht. Der Hund wollte aber gerade links prüfen.
Folge: Du nimmst ihm die Chance, das Negativ selbst zu erkennen.
🐾 Aus meiner Praxis: Der Einsatz im Parkhaus
Wir suchten eine Person in einem Parkhaus. Mein Hund lief zum Treppenhaus, steckte die Nase kurz durch den Türspalt, schnaubte und drehte sofort ab. Er lief weiter zum Aufzug. Ein Zuschauer sagte: „Der hat ja gar nicht gesucht!“
Doch, hat er. Er hat in Sekundenbruchteilen ein „Negativ“ im Treppenhaus angezeigt. Er wusste: „Da ist keine frische Spur.“ Hätte ich ihn gezwungen, das Treppenhaus abzusuchen, hätten wir 10 Minuten verloren. Wir fanden die Person im 3. Stock – sie hatte den Aufzug genommen. Vertrau dem Negativ!
Häufige Fragen zur Negativanzeige
Soll ich „Nein“ sagen, wenn der Hund falsch läuft?
Nein. Im Mantrailing ist „falsch laufen“ oft nur „Prüfen“. Wenn du „Nein“ sagst, bestrafst du das eigenständige Arbeiten. Lass ihn prüfen. Wenn er von selbst merkt, dass es falsch ist, lobe ihn. Wenn er sich festrennt (z.B. einer Verleitung folgt), bleib einfach passiv stehen („Anker werfen“).
Mein Hund zeigt kein klares Negativ, er sucht einfach weiter.
Das ist oft ein Zeichen von Unsicherheit oder zu hohem Trieb. Der Hund will unbedingt finden und „erfindet“ Geruch, wo keiner ist. Gehe im Training einen Schritt zurück: Lege ganz klare „Sackgassen“ (End of Trail), wo es wirklich nicht weitergeht, und belohne das Abstoppen.
Wie unterscheide ich „Negativ“ von „Pinkelpause“?
Die Körpersprache ist anders. Beim Pinkeln/Markieren schnuppert der Hund punktuell an Objekten (Laterne, Grasbüschel). Beim Negativ-Check schnuppert er oft in die Luft oder scannt den Boden breitflächig, wirkt dabei aber fragend und orientierungslos, nicht „interessiert an Hunde-Pipi“.
Quellenhinweis & Standards: Das Konzept der „Negative Scent Indication“ (NSI) und der Ausschlussverfahren (Component Training) basiert auf den Lehrmethoden von Kevin Kocher (INBTI) und ist Standard in der modernen Einsatztaktik.



