
Mantrailing Gruppe: Training in kleinen Teams
Mantrailing ist kein Sport für Einzelgänger. Du kannst es nicht alleine im Garten üben. Du brauchst Menschen, die sich verstecken, und Menschen, die dich im Verkehr absichern. Eine gute Mantrailing-Gruppe ist mehr als nur ein „Treffpunkt“ – sie ist eine Seilschaft, in der jeder eine feste Aufgabe hat. Hier erfährst du, wie ein professionelles Gruppentraining abläuft und welche Rolle du dabei spielst.
📌 Das Wichtigste zum Gruppentraining
- ✅ Das Prinzip: „Einer sucht, der Rest hilft.“ Während ein Hund arbeitet, warten die anderen im Auto (Pause).
- ✅ Die Rollen: Neben dem Hundeführer gibt es den Runner (Versteckperson) und den Flanker (Sicherung).
- ✅ Gruppengröße: Ideal sind 3 bis 5 Teams. Mehr Teams bedeuten zu lange Wartezeiten.
- ✅ Lerneffekt: Du lernst am meisten, wenn du anderen Teams bei der Arbeit zuschaust (Beobachten der Körpersprache).
📚 Der Kontext: Dieser Artikel ist Teil der Serie „Mantrailing Organisation“. Zurück zur Übersicht
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Der typische Ablauf einer Trainingseinheit
Ein Mantrailing-Training dauert meist 2 bis 3 Stunden. Es ist nicht wie in der Hundeschule, wo alle Hunde gleichzeitig auf dem Platz stehen („Sitz“, „Platz“). Beim Trailen arbeitet immer nur ein Team zur Zeit.
Die Phasen:
- Briefing: Wo sind wir? Wie ist der Wind? Wer versteckt sich für wen?
- Spurlegen: Die Versteckpersonen (Runner) laufen los und legen die Trails für die ersten Hunde.
- Suche: Die Hunde arbeiten nacheinander ihre Trails ab.
- Debriefing: Nach jedem Trail wird kurz besprochen: Was war gut? Wo gab es Probleme (z.B. Leinenhandling)?

Die 3 Rollen: Runner, Flanker & Hundeführer
Wenn dein Hund gerade nicht sucht, hast du nicht „frei“. Du bist wichtiger Helfer für die anderen.
1. Der Runner (Die Versteckperson)
Du bist das Ziel („Opfer“). Deine Aufgabe ist es, genau den Weg zu laufen, den der Trainer vorgibt. Am Ende musst du warten – oft 10 bis 30 Minuten. Nimm im Winter eine Decke mit! Wenn der Hund dich findet, ist es deine Aufgabe, ihn mit dem Futter-Jackpot zu belohnen.
2. Der Flanker (Die Sicherheit)
Der Flanker (Sicherungshelfer) läuft 5-10 Meter hinter dem Hundeführer. Er ist der „Bodyguard“.
- Er warnt vor Verkehr („Auto von hinten!“).
- Er blockt Passanten oder freilaufende Hunde ab.
- Er kennt oft den Weg (Backup), falls der Hundeführer die Orientierung verliert.

3. Der Hundeführer
Er führt den Hund und konzentriert sich nur auf die Körpersprache und die Leine. Er vertraut darauf, dass der Flanker ihn vor Gefahren warnt.
Warum muss mein Hund im Auto warten?
Einsteiger fragen oft: „Mein Hund liegt 2 Stunden im Auto und sucht nur 10 Minuten. Lohnt sich das?“
Ja, absolut. Mantrailing ist Kopfarbeit. 10 Minuten intensive Nasenarbeit sind für den Hund anstrengender als 2 Stunden Spaziergang. Der Hund braucht die Pause im Auto („Crate“), um das Gelernte zu verarbeiten und runterzufahren. Ein Hund, der 2 Stunden am Wegesrand zuschaut, wäre beim Start völlig überreizt und müde.
Woran erkenne ich eine gute Gruppe?
Es gibt viele Anbieter. Achte auf diese Qualitätsmerkmale:
- Kleine Gruppen: Maximal 4-5 Hunde pro Trainer.
- Individualität: Nicht jeder Hund läuft den gleichen Trail. Ein Anfänger bekommt einen Fire-Trail, der Profi eine alte Spur.
- Sicherheit: Es wird Wert auf Warnwesten und saubere Geruchsartikel gelegt.
- Feedback: Es gibt ehrliche Manöverkritik, nicht nur „Gut gemacht“.
🐾 Aus meiner Praxis: Lernen durch Zuschauen
Ich sage meinen Schülern immer: „Ihr lernt mehr, wenn ihr als Flanker mitlauft, als wenn ihr selbst führt.“ Warum? Wenn du selbst die Leine hältst, hast du Tunnelblick. Du siehst nur Stress und Hektik.
Wenn du aber hinter einem anderen Team läufst, siehst du plötzlich alles: „Ah, schau mal, jetzt hat der Hund die Rute gehoben, er hat den Geruch!“ Oder: „Oh, das Leinenhandling war zu stramm, der Hund stockt.“ Diese Beobachtungsgabe hilft dir enorm, deinen eigenen Hund später besser zu lesen. Nutze die Zeit als Flanker aktiv!
Häufige Fragen zur Gruppe
Mein Hund ist unverträglich mit Artgenossen. Geht das?
Ja, sehr gut sogar. Da die Hunde nacheinander arbeiten und die anderen im Auto warten, gibt es keinen direkten Kontakt. Wir nennen das „Arbeiten aus dem Auto“. Viele Leinenpöbler lernen hier, in Anwesenheit anderer Hunde ruhig zu arbeiten, weil sie eine Aufgabe haben.
Was mache ich im Sommer bei Hitze im Auto?
Sicherheit geht vor. Parke im Schatten, nutze Heckklappenaufsteller und Rettungsdecken über dem Auto. Gute Gruppen passen den Trainingsort an (Wald, Parkhaus) oder trainieren im Sommer sehr früh morgens. Lies dazu unseren Guide: Mantrailing bei Hitze.
Kann ich auch mal nur „Runner“ sein ohne Hund?
Absolut! Viele Staffeln und Gruppen suchen händeringend nach „frischen“ Versteckpersonen, die die Hunde noch nicht kennen. Das ist eine tolle Möglichkeit, in den Sport hineinzuschnuppern, ohne gleich Geld auszugeben.
Quellenhinweis & Standards: Die Organisationsstruktur (Runner/Flanker/Hundeführer) orientiert sich am bewährten „Suchgruppenhelfer“-System des K-9 Suchhundezentrums und anderer Rettungsorganisationen.


