Einmalhandschuh verpackt ein frisch getragenes T-Shirt in ein beschriftetes Schraubglas – sauberes Handling von Geruchsartikeln fürs Mantrailing.

Geruchsartikel für Mantrailing: So klappt’s sauber und sicher

Teile diesen Beitrag
⚠️ Trainings-Warnung: Ein kontaminierter Geruchsartikel ist der häufigste Grund für frustrierte Hunde. Achten Sie penibel darauf, dass keine fremden Personen oder Haustiere den Gegenstand berühren, bevor er verpackt wird.

Stell dir vor, du gibst deinem Navi eine Adresse ein, aber die letzten zwei Ziffern der Postleitzahl sind falsch. Du kommst irgendwo an, aber nicht am Ziel. Genau das ist der Geruchsartikel (GA) beim Mantrailing. Er ist der Referenzgeruch, der dem Hund sagt: „Ignoriere die tausend anderen Menschen – suche GENAU diese Person.“ Hier erkläre ich dir, wie du diesen „Navi-Eintrag“ sauber erstellst.

📌 Das Wichtigste zum Geruchsartikel

  • Definition: Der Gegenstand, der den Individualgeruch der zu suchenden Person trägt (Kleidung, Schlüssel, Taschentuch).
  • Verpackung: Muss luftdicht sein (Einmachglas oder neuer Ziploc-Beutel), um Ausgasung und Fremdgerüche zu vermeiden.
  • Kontamination: Der größte Feind. Nur die Versteckperson darf den Artikel anfassen (oder er muss mit Handschuhen/Zange präpariert werden).
  • Präsentation: Dem Hund den Artikel ruhig und ohne Zwang hinhalten (Pre-Scent).

📚 Der Kontext: Dieser Artikel ist Teil der Serie „Mantrailing lernen“. Zurück zur Übersicht

Inhaltsverzeichnis ausklappen

Welche Gegenstände eignen sich?

Grundsätzlich alles, womit die Zielperson intensiven Kontakt hatte. Da wir wissen, dass der Individualgeruch primär aus zersetzten Hautschuppen und Gasen besteht, eignen sich poröse Stoffe am besten, da sie Geruch gut speichern.

  • Der Klassiker: Ein getragenes T-Shirt, Socken oder ein Halstuch.
  • Alltagsgegenstände: Schlüsselbund, Handyhülle, Brillenetui.
  • Im Einsatz (Polizei/Rettung): Oft gibt es keinen persönlichen Gegenstand. Dann wird ein „Abstrich“ gemacht – z.B. vom Lenkrad des Autos oder einem Türgriff, den die vermisste Person zuletzt angefasst hat.

Tüte oder Glas? Die richtige Lagerung

Der Geruch muss isoliert werden. Wenn du das T-Shirt einfach so in den Wald legst, „verwäscht“ der Wind den Geruch und Tiere laufen darüber. Wir brauchen ein geschlossenes System.

Vergleichsbild: Einmachglas mit Schraubdeckel neben einem Ziploc-Gefrierbeutel, beide enthalten ein T-Shirt
Glas ist geruchsneutral und auskochbar. Plastiktüten sind praktisch, müssen aber neu sein.

Das Einmachglas (Der Goldstandard)

Viele Profis schwören auf Glas. Es nimmt selbst keinen Eigengeruch an (anders als Plastik) und lässt sich steril auskochen. Nachteil: Es kann zerbrechen.

Der Gefrierbeutel (Die Praxis-Lösung)

Für das wöchentliche Training nutzen wir meist hochwertige Ziploc-Beutel. Wichtig: Verwende immer einen neuen Beutel direkt aus der Verpackung. Ein Beutel, der schon mal offen im Auto lag, riecht nach „Auto“ und „Hundefutter“.

Kontamination vermeiden (Der „saubere“ GA)

Das ist der Punkt, an dem 90% der Anfängerfehler passieren.

Szenario: Dein Partner soll sich verstecken. Du nimmst sein T-Shirt aus dem Wäschekorb, steckst es in die Tüte und gibst es dem Hund.
Das Problem: Jetzt ist dein Geruch massiv an der Tüte und am Shirt. Dein Hund sucht im Zweifel dich, nicht den Partner.

So machst du es richtig:

  1. Die Versteckperson nimmt ihren Gegenstand selbst und steckt ihn in die Tüte.
  2. Die Tüte wird verschlossen.
  3. Erst jetzt nimmst du die Tüte (am besten nur außen anfassen).

Wenn wir später Geruchsdifferenzierung trainieren, lernen die Hunde auch, den „jüngsten“ Geruch am Gegenstand zu isolieren (Spurendifferenzierung), aber für den Start brauchen wir einen „reinen“ Artikel.

Das Anriechen (Pre-Scent Ritual)

Der Moment der Wahrheit. Du stehst am Startpunkt, das Geschirr sitzt.

  • Öffnen: Öffne die Tüte oder das Glas so, dass die Öffnung groß genug für die Hundeschnauze ist.
  • Kein Zwang: Stülpe dem Hund die Tüte nicht über die Nase! Halte sie ihm ruhig hin.
  • Das Timing: Ein kurzes, tiefes Einatmen reicht völlig. Manche Hunde lecken kurz („Züngeln“), um den Geschmackssinn zur Analyse hinzuzuziehen (Jacobson-Organ).
  • Kommando: Sobald der Hund den Kopf hebt und sich orientiert („Wo ist das?“), gibst du das Startsignal.

Profi-Tipp: Abstrich & Differenzierung

In der Fortgeschrittenen-Gruppe arbeiten wir oft mit sterilen Gazepads. Die Versteckperson reibt sich damit kurz über den Nacken oder die Hände und steckt das Pad in das Glas. Das ist hygienisch und simuliert den Ernstfall, wo wir oft nur DNA-winzige Spuren haben.

🐾 Aus meiner Praxis: Der „Schlüssel-Fehler“

In einer Prüfungssituation bekam ein Team den Autoschlüssel der vermissten Person als Geruchsartikel. Der Hund startete super, lief aber plötzlich schnurstracks zum Parkplatz eines Supermarkts und zeigte dort eine fremde Frau an. Wir waren verwirrt.

Die Auflösung: Die „vermisste“ Person hatte den Schlüssel am Morgen ihrer Putzhilfe gegeben, damit diese ins Haus kommt. Die Putzhilfe hatte den Schlüssel zuletzt intensiv in der Hand. Der Hund hatte alles richtig gemacht – er folgte der frischesten Spur am Gegenstand (Spurendifferenzierung). Das lehrte uns: Ein Geruchsartikel erzählt immer eine Geschichte. Wir müssen lernen, sie zu lesen.


Häufige Fragen zum Geruchsartikel

Wie alt darf der Geruchsartikel sein?

Wenn er luftdicht verschlossen ist (Glas/hochwertige Folie), hält sich der Geruch über Jahre. Im offenen Raum verflüchtigt er sich schneller, aber in einem verschlossenen Beutel können Hunde auch nach Monaten noch trailen. Bakterienkulturen können unter bestimmten Bedingungen lange aktiv bleiben.

Was, wenn mein Hund den Artikel fressen will?

Ein häufiges Problem bei verfressenen Labradoren! Nutze in diesem Fall ein Glas mit einem perforierten Deckel (Löcher im Deckel) oder halte die Tüte so fest, dass nur die Nase hineinpasst, aber nicht die Zunge den Stoff greifen kann. Sicherheit geht vor.

Darf ich den Artikel einfrieren?

Ja, das Einfrieren konserviert den Geruch sehr gut und stoppt den bakteriellen Zerfallsprozess. Das wird oft gemacht, um Geruchsproben für spätere Trainings oder Vergleichszwecke aufzubewahren.

Sabine Reincke
Sabine Reincke

Sabine ist das Herz und der Kopf hinter Hundeuniversum. Als Einsatzsanitäterin und langjährige Ausbilderin in einer Rettungshundestaffel (DRK) verbindet sie medizinisches Fachwissen mit echter Praxiserfahrung. Ihr Ziel: Hundebesitzern faktenbasiertes Wissen und Sicherheit zu geben – ohne Mythen, dafür mit viel Herz und Verstand.

Artikel: 189
Cookie Consent mit Real Cookie Banner