Mantrailing-Übung im Treppenhaus: Hund differenziert Auf- oder Abstieg; Leinenhandling ruhig, Prüfzeit gegeben.

Mantrailing im Innenraum: Sicher planen und führen

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⚠️ Sicherheitshinweis: Indoor-Trailing findet oft auf rutschigen Böden (Fliesen, Linoleum) statt. Achten Sie auf die Pfoten Ihres Hundes (ggf. Pfotenhaare kürzen für Grip) und vermeiden Sie Treppen, wenn der Hund zieht, um Stürze zu verhindern.

Draußen bestimmt der Wind die Spur. Drinnen bestimmt die Lüftung. Mantrailing in Gebäuden („Indoor“) ist für den Hund wie der Wechsel von 2D auf 3D. Gerüche fallen durch Treppenhäuser nach unten oder werden durch Klimaanlagen in völlig andere Räume gesaugt. Als Ausbilderin liebe ich Indoor-Trails, weil sie dem Hund beibringen, Probleme kreativ zu lösen. Hier erfährst du, worauf du achten musst.

📌 Das Wichtigste zum Indoor-Trailing

  • Die Physik: In Gebäuden herrscht oft „Kamineffekt“. Warme Luft (und Geruch) steigt in Treppenhäusern nach oben.
  • Die Schwierigkeit: Glatte Böden speichern kaum Geruch. Der Hund sucht oft an Fußleisten oder Türritzen (Scent Pools).
  • Die Taktik: Leinenarbeit muss extrem kurz und präzise sein (1-2 Meter), um Stolpern zu vermeiden.
  • Der Start: Oft an der Eingangstür („Door Check“). Riecht es nach drinnen oder draußen?

📚 Der Kontext: Dieser Artikel ist Teil der Serie „Mantrailing Spezialgebiete“. Zurück zur Übersicht

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Die Physik des Gebäudes (Thermik & Lüftung)

Draußen verweht der Wind den Geruchsartikel. Drinnen gibt es kaum Wind, aber dafür Thermik.

  • Heizung: Warme Luft steigt auf. Ein Hund kann im 1. Stock riechen, dass die Person im Erdgeschoss sitzt, weil die warme Heizungsluft den Geruch durch Deckenschlitze nach oben drückt.
  • Kamineffekt: In Treppenhäusern zieht Luft oft wie in einem Schornstein nach oben. Der Hund zeigt vielleicht stark nach oben an, obwohl die Person unten durch die Tür gegangen ist.
  • Lüftung (HVAC): Klimaanlagen saugen Luft an und pusten sie woanders raus. Das kann zu „Phantom-Spuren“ führen.
Querschnitt eines Hauses: Warme Luft mit Geruchspartikeln (rot) steigt das Treppenhaus hoch, obwohl die Person (blau) im Erdgeschoss ist
Vorsicht Täuschung: Der Geruch sammelt sich oft unter der Decke des obersten Stockwerks, auch wenn die Person dort nie war.

Türen & Schwellen: Der „Door Check“

Türen sind wie Ventile. Wenn eine Tür geschlossen ist, sammelt sich davor ein Geruchspool. Wenn sie offen ist, zieht Luft durch (Zugluft).

Ein guter Mantrailer prüft den Türspalt (Bottom Seam). Er atmet tief ein. Wenn er dort ein Negativ anzeigt (Kopfschütteln, Wegdrehen), weißt du: Die Person ist nicht in diesem Raum. Wenn er an der Tür kratzt oder verharrt (Freeze), ist die Spur dort hinein gegangen.

Gefahr im Treppenhaus

Treppen sind für Hunde Schwerstarbeit. Offene Treppen (Gitterstufen) sind für viele Hunde ein No-Go wegen der Höhenangst. Glatte Holz- oder Steintreppen sind rutschig.

Die goldene Regel: Auf der Treppe wird nicht gezogen!
Nimm die Leine extrem kurz (Führleinen-Länge). Gehe neben oder hinter dem Hund, niemals vor ihm (Sturzgefahr, wenn er zieht). Wenn der Hund unsicher ist, brich ab oder trage ihn (wenn möglich).

Darf der Hund Aufzug fahren?

Ja, im Realeinsatz (Altenheim, Krankenhaus, Parkhaus) müssen wir oft Aufzug fahren.
Die Schwierigkeit: Der „Geruchstunnel“. Ein Aufzugschacht ist eine Röhre voller Geruch.

Trainingstipp:
Die Versteckperson fährt mit dem Aufzug in den 2. Stock. Der Hund folgt der Spur bis zur Aufzugtür. Er zeigt dort an („Hier ist der Geruch stark!“). Du drückst den Knopf. Wenn die Tür aufgeht, prüft der Hund den Innenraum. Ist die Person nicht drin, aber der Geruch stark („High Scent“), steigt ihr ein. Im 2. Stock strömt beim Öffnen der Tür der frische Geruch herein – der Hund stürmt raus.

Ausrüstung: Warum die Schleppleine hier falsch ist

Deine 7-Meter-Biothane-Leine ist drinnen lebensgefährlich. Sie verheddert sich an Geländern, Türgriffen und Tischbeinen.

Das Indoor-Setup:

  • Leine: Eine kurze, führige Leine (1,5 bis 3 Meter), am besten aus Leder (griffig).
  • Geschirr: Das normale Suchgeschirr bleibt an (Kontext „Arbeit“), aber du führst den Hund viel enger.
  • Pfoten: Bei sehr glatten Böden (Einkaufszentrum) können Booties (Hundeschuhe) oder das Kürzen der Fellbüschel zwischen den Ballen helfen, damit der Hund nicht rutscht.

🐾 Aus meiner Praxis: Das „Geisterhaus“

Wir durften einmal in einem leeren Bürogebäude trainieren. Die Versteckperson ging in ein Büro im 1. Stock und ließ das Fenster offen. Mein Hund lief am Gebäude außen vorbei, blieb abrupt stehen, hob die Nase in den Wind und wollte die glatte Hauswand hochklettern.

Was war passiert? Der Wind drückte den Geruch aus dem offenen Fenster nach draußen, wo er an der Hauswand herabfiel („Scent Pool“). Der Hund hatte die Witterung draußen, obwohl die Person drinnen war. Wir mussten ihn überreden, den Eingang zu suchen, statt die Wand hochzugehen. Das zeigt: Geruch geht seltsame Wege!


Häufige Fragen zu Indoor

Wo darf man Indoor trainieren?

Nur mit Genehmigung! Öffentliche Parkhäuser (am Sonntag), Baumärkte (mit Erlaubnis des Marktleiters) oder Schulen in den Ferien sind gute Orte. „Einfach so“ in ein Geschäft zu gehen, ist Hausfriedensbruch und stört den Betrieb.

Ist Indoor für Anfänger geeignet?

Nein. Der Hund muss das Prinzip des Trailens draußen verstanden haben. Indoor kommen Stressfaktoren (Enge, Glätte, Hall) dazu. Das überfordert Anfängerhunde schnell. Starte erst Indoor, wenn der Hund draußen motiviert und sicher sucht.

Mein Hund markiert drinnen. Was tun?

Absolutes No-Go! Wenn du merkst, dass er ansetzt (schnüffeln an Kanten, eindrehen), musst du ihn sofort (!) verbal oder körpersprachlich blockieren. Ein Hund, der in fremde Gebäude pinkelt, verliert jede Trainingserlaubnis. Geh vor dem Training ausgiebig Gassi.

Quellenhinweis & Standards: Die physikalischen Grundlagen der Geruchsausbreitung in Gebäuden (Thermik, HVAC) basieren auf Studien zur „Scent Theory“ der Polizeilichen Kynologie und Rettungshundeforschung.

Sabine Reincke
Sabine Reincke

Sabine ist das Herz und der Kopf hinter Hundeuniversum. Als Einsatzsanitäterin und langjährige Ausbilderin in einer Rettungshundestaffel (DRK) verbindet sie medizinisches Fachwissen mit echter Praxiserfahrung. Ihr Ziel: Hundebesitzern faktenbasiertes Wissen und Sicherheit zu geben – ohne Mythen, dafür mit viel Herz und Verstand.

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